kostbares nass

Von hier aus haben die Fricker Bademeister alles im Blick.

Christian Wunderlin, Badmeister in Sisseln, will das Hallenbad mit Standup-Paddeln bereichern.



Winterzeit ist Hochsaison für Hallenbäder. In Sisseln und Frick stehen zwei. Die Gemeinden sind stolz auf ihre Badi, doch ist deren Betrieb auch eine Herausforderung.

 

Unten, in den Katakomben des Sissila, herrscht für Laien ein heilloses Durcheinander. Röhren und Leitungen durchziehen die niedrigen Räume. Die einen sind schwarz, durch sie fliesst das Wasser, die anderen mit silberner Isolierfolie verkleidet – in ihnen strömt die warme Luft. Mannshohe Sandfilter leisten unentwegt ihren Dienst. Säckeweise liegt Salz herum, mit dem Zweck, das Badewasser zu enthärten. 

 

4,2 Millionen Franken für Sanierung

Gemeindeammann Rainer Schaub, in sein Ressort fällt der Badebetrieb, würde am liebsten alle Badi-Besucher auch erst einmal hier unten durchführen. Dann würden sie sehen, was es für einen immensen Aufwand bedeutet, ein Hallenbad zu betreiben, für warmes, hygienisch einwandfreies Wasser und ein angenehmes Raumklima zu sorgen. Und das schon seit mehr als 40 Jahren: Das Hallenbad Sisseln öffnete 1974, so wie das in Frick. Badmeister Paul Gürtler: «Das war die Zeit des Bäder-Booms in der Schweiz. Jede Gemeinde wollte damals eines haben. Erst später ist man sich darüber klar geworden, was das für Folgekosten bedeutet.»

 

4,2 Millionen Franken betrugen die Kosten für die Sanierung des Sissler Hallenbades 2011. Die 46 Meter-Wasserrutschbahn und das Bistro kamen hinzu. Ansonsten aber wurde vor allem in den Bereich investiert, den die Badegäste eben nie zu Gesicht bekommen – in die Haustechnik. «Der Energie- und Wasserverbrauch wird nach der Sanierung deutlich geringer sein», war der Gemeinderat seinerzeit überzeugt und versuchte so einer Volksinitiative zwecks Schliessung des Bades den Wind aus den Segeln zu nehmen. Schaub erinnert sich: «Dass man mit den Massnahmen das Jahresdefizit unter 200 000 Franken drücken kann, war seinerzeit die Prognose. Doch das wurde, auch mit deutlich höheren Eintrittspreisen, bei weitem nie eingelöst, da gleichzeitig der Personalaufwand mit einem angepassten Betriebskonzept deutlich anstieg. Wir haben für 2017 ein 350 000 Franken-Defizit budgetiert.»

 

40 000 Besucher

In den ersten Monaten nach Wiederöffnung des Bades am 13. November 2011 schnellten die Besucherzahlen nach oben, pendelten sich dann aber wieder bei den zuvor schon üblichen 40 000 pro Jahr ein. Ähnlich hoch ist die Zahl der Gäste in Frick, aufs Hallenbad bezogen. Doch auch dort, auch im Paket mit einem Freibad und einem Fitnessstudio als Mieter, gab es von Beginn an nur rote Zahlen, laut Gemeindekanzlei in den vergangenen Jahren zwischen 300 000 und mehr als 500 000 Franken jährlich. Das ist im Grundsatz auch akzeptiert. Beide Bädergemeinden sind sich bewusst: Kostendeckend ist eine solche, für alle bezahlbare Einrichtung nicht zu betreiben. «Dass ein Hallenbad die Öffentlichkeit auch etwas kosten darf, gerade in einer Zentrumsgemeinde wie unserer, dafür spricht vieles», sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer: Wenn Einzelbesucher darin ihre Bahnen ziehen können. Wenn Familien dort an den Wochenenden für vergleichsweise wenig Geld einen Plausch haben – in Frick in 31 Grad warmen Wasser. Wenn Vereine darin ihre Sportler trainieren und Schüler schwimmen lernen. Vergangenes Jahr waren das in Frick 22 000. 18 Schulen aus dem Fricktal und dem grenznahen deutschen Raum nutzen das Sissila Sisseln.

 

Schicksalsjahr 2017

Doch für Rainer Schaub stellt sich die Frage, ob Sisseln das Schulschwimmen und die Durchführung von Kursen durch Vereine weiterhin mitfinanzieren soll. Kann sich eine 1600-Einwohner-Gemeinde eine Einrichtung leisten, deren Besucher nur zu einem kleinen Teil aus Sisseln selbst stammen? Was ist der Region das Sissila wert? Was dem Kanton die Förderung des Gesundheitssport Schwimmen? Was einem Verein die Wasserfläche? Könnten nicht Unternehmen der Region das Bad unterstützen, indem sie ihren Mitarbeitern freien Eintritt gewähren, wie das schon die DSM-Niederlassung Sisseln praktiziert? Welche Öffnungszeiten sollen künftig gelten? Schaub stellte sich diese Fragen und kündigt für 2017 ein neues Betriebskonzept für das Sissila an. Auch das Vitamare Frick steht vor Veränderungen. In der Sommergemeind soll ein Projektierungskredit zur Abstimmung kommen. Die Gemeinde will mit dem Geld Fachleute beauftragen. Diese sollen untersuchen, wie die Zukunft des Badi aussehen kann – Sanierung, Sanierung mit Ausbau oder gar Neubau – alles ist möglich.