Wenn der beste freund des menschen plötzlich gehen muss...

 

Meistens unverhofft, manchmal erahnt, aber immer überraschend ist er da: Der Moment, in dem die Entscheidung getroffen werden muss, das eigene Haustier einschläfern zu müssen.

 

Für viele Tierbesitzer ist die Vorstellung grauenhaft, entscheiden zu müssen, dass hier und jetzt ihr treuer Begleiteter eingeschläfert werden soll. Vom Standpunkt der Logik her ist es klar: Das Tier leidet, eine Krankheit kann nicht mehr behandelt werden, die Verletzungen eines Unfalls sind sehr gross  oder die Altersschwäche nimmt dem Tier sein Wohlergehen und seine Lebensqualität. Warten, bis die letzte Organreserve aufgebraucht ist und das Leben des Tieres endgültig erlischt, ist auch keine Alternative. 


Unser kulturelles Selbstverständnis zum Tierschutz kommt hier unweigerlich in ein Dilemma. Grundsätzlich wollen wir das Tierwohl erhalten, müssen es aber gerade deswegen töten. Mit diesem Dilemma sind Tierbesitzer emotional stark gefordert und macht die zwischenmenschliche und organisatorische Begleitung durch die Tierärzte in diesem Moment speziell und ganz besonders bedeutsam. Viele Emotionen treffen aufeinander und es ist wichtig, dass in dieser Situation der behandelnde Tierarzt darauf eingeht und den Tierhalter unterstützt, diese zu verstehen und zu ordnen.

 

Ein endgültiger Entscheid

Unser tägliches Handeln wird von drei grundsätzlichen Ideen geprägt. Wir beurteilen unsere Vergangenheit, leben in der Gegenwart und planen die Zukunft. Werden wir plötzlich aus diesem Ablauf herausgerissen, empfinden wir es sehr schmerzhaft und oft auch ungerecht. Diese Überlegungen machen wir auch, wenn es zu entscheiden gilt, ob wir ein Tier einschläfern müssen. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Tiere haben wohl eine Vergangenheit, erfahren ihr Leben aber ausschliesslich in der Zukunft. Wenn wir sie einschläfern müssen, nehmen wir ihnen diese nicht.

 

Eine Euthanasie ist immer etwas Endgültiges und verlangt sehr viel Einfühlungsvermögen. Einfühlungsvermögen in das Tier, in die involvierten Personen und die Situation. Sie dürfen sicher sein, dass die Tierärztinnen und Tierärzte in ihren Praxen diese Entscheidung sorgfältig und tiergerecht fällen. Sie sind sich der speziellen Situation bewusst und gestalten den Moment so, dass ein stimmiger und würdiger Abschied möglich ist. Der Trennungsschmerz kann dem Besitzer nicht genommen werden. ber es kann vieles getan werden, damit dieser Moment am Ende in der emotional getragenen und tröstlichen Einsicht mündet, dem Tierwohl in seiner letzten Konsequenz gerecht zu werden.