Tierarzt 4.0

Was Sie von der IT kennen, gibt es auch bei uns. Der stetige Wandel fordert neue Anpassungen. Die Version des Tierarztes von anno dazumal ist nicht mehr aktuell. Gefragt ist die moderne Version: Tierarzt 4.0.

Nach wie vor steht bei den schweizerischen Tierärztinnen und Tierärzten das Tierwohl im Vordergrund. Doch haben sich mit dem Wandel in der Gesellschaft, der stetigen Annäherung unserer Methoden, Materialien und Arbeitsweisen an die Humanmedizin, der differenzierten Beurteilung unseres Verständnisses zum Tier und den Veränderungen in der Produktion der Lebensmittel tierischer Herkunft auch die Anforderungen an die Veterinärmedizin gewandelt. War es früher gemütlich und ländlich der «Veehtockter», so ist es heute die gut ausgebildete, spezialisierte Tierärztin, die punktgenau veterinärmedizinische Leistung abliefert. Eine Laufbahnstudie der Gesellschaft der Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte GST hat dieses und vieles anderes aufgezeigt.

Das Berufsfeld ändert sich
Als Beispiel lässt sich im Vergleich die Situation der 35-jährigen Tierärztinnen und Tierärzte zeigen. Stark verändert hat sich in den letzten 30 Jahren der Beschäftigungsgrad der 35-Jährigen. Mitte der 1980er Jahre gab es mit einem Anteil von knapp 8% die Teilzeitarbeit praktisch noch nicht. Heute arbeitet mehr als die Hälfte der Tierärztinnen und Tierärzte in diesem Alter Teilzeit. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei der Erwerbsform: Waren vor 30 Jahren über 60% der 35-jährigen tierärztlichen Berufsleute selbständig, so sind es heute nur noch 22%, der Rest arbeitet in einer Anstellung. Auch die Praxisform hat sich von der Einzelpraxis zur grösseren Gemeinschaftspraxis mit mehreren Tierärzten und somit breiterer fachlicher Kompetenz entwickelt.

Kleintiere verdrängen Nutztiere
Auch hier zeigen sich statistisch deutliche Veränderungen: Mitte der 1980er Jahre arbeitete noch rund die Hälfte der 35-jährigen praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte im Nutztierbereich, rund ein Viertel in einer Gemischtpraxis (je 50% Nutz- und Kleintiere) und nur gut 20% ausschliesslich mit Kleintieren. Seit Mitte der 2000er Jahre war hingegen nur noch rund ein Viertel der 35-jährigen Tierärztinnen und Tierärzte ausschliesslich im Nutztierbereich tätig, dafür über 50% im Kleintierbereich. Praxen für Gross- und Kleintiere – sowie die TRIVET – tragen somit dazu bei, die tierärztliche Versorgung der Nutztiere weiterhin zu gewährleisten.
Und noch etwas zeigt den Wandel: Es gibt eine deutliche Verschiebung von den Männern zu den Frauen. Vor 30 Jahren waren lediglich rund 20% aller 35-Jährigen in der Tierärzteschaft Frauen, heute sind sie in dieser Altersgruppe mit gut 75% klar in der Mehrheit.

 

Epilog
Mit dem heutigen Beitrag endet – man könnte meinen, fast logisch – meine Zeit als Schreiber dieser Rubrik. Es ist gut so: Erstens gibt es Raum für Neues, denn in den 36 Jahren, in denen ich als Tierarzt tätig war, hat sich in der Veterinärmedizin eben viel getan und einiges gewandelt. Anderseits ist es die Konsequenz daraus, dass ich auf Ende Jahr aus der TRIVET ausscheide. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute, Glück im Stall und freue mich auf ein Wiedersehen bei anderer Gelegenheit.
Und was bleibt? Natürlich denke ich weiterhin – so wie Sie – ans Tierwohl!