Immer diese Machtkämpfe

Immer diese Machtkämpfe! Geht es hier um Sieg und Niederlage? In der Erziehung wohl kaum.

Machtkämpfe setzen voraus, dass eine von zwei Parteien am Ende siegt. Doch in der Erziehung geht es nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren oder gar darum, den Willen des Kindes zu brechen. Es geht vielmehr darum, seinem Nachwuchs mit liebevoller Zuwendung und verlässlich bestimmte Regeln zu vermitteln.

Trotzen um zu ärgern?
Zwischen 2 und 3 Jahren erfahren Eltern meist deutlich die Autonomiephase des Kindes. Zu dieser Zeit versuchen die Kleinen, Grenzen auszutesten. Sie reagieren dabei meist ausgesprochen impulsiv und stur, denn sie können ihre Gefühle noch nicht steuern. Kinder reagieren nicht absichtlich so, um die Eltern zu ärgern. Sie haben in dieser sensiblen Altersstufe noch keine Empathie entwickelt und verhalten sich egozentrisch, wollen ihren Willen durchsetzen. Solche Wutanfälle müssen erfahren werden. Sie sind wichtige Entwicklungsschritte zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Erst in den darauffolgenden Jahren lernen Kinder, sich in andere hineinzuversetzen und so auch auf die Befindlichkeiten anderer (auch ihrer Eltern) einzugehen.

Schimpfen?
Mit Schimpfen erfahren die Kinder negative Zuwendung mit der Folge, dass sie mit ihrem «Spiel» weitermachen. So fördert man genau das, was man eigentlich vermeiden wollte.

Wirkung von «Ja» oder «Nein»
Kindern hilft in Machtkämpfen ein klares «Ja, du kannst Schoggi zum Dessert haben.» genauso wie «Nein, das möchte ich nicht. Das tut mir weh.»
Es ist ratsam, mit «Nein» bewusst sparsam umzugehen, es nur bei wichtigen «Anlässen»  zu benutzen. Wenn genervte Eltern reflexartig ständig «Nein» sagen, können sie davon ausgehen, dass ihnen dann vom Kind öfters ein «Nein» entgegengesetzt wird.
Besser ist, das Kind positiv zu bestärken, wie zum Beispiel: «Ja, du bekommst eine Süßigkeit, zum Dessert.» oder «Ja, du darfst noch zwei Sandförmchen backen. Dann gehen wir vom Spielplatz nach Hause.»

Wahlmöglichkeiten haben
Eine Wahl zu haben gibt uns ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, eine gewisse Freiheit – und das gilt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Und diese Wahl ist ein probates Mittel, wenn es um die Vermeidung von Machtkämpfen zwischen Eltern und Kindern geht. Wer dieses Mitspracherecht nicht hat, wird es sehr wahrscheinlich dafür kämpfen. Und der familiäre Machtkampf ist perfekt.
Damit diese Wahl aber nicht zur Qual wird, gibt es ein paar Dinge zu beachten – je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist:
Geschlossene statt offene Fragen stellen: Statt «Was möchtest du zum Abendessen trinken?» besser konkret: «Wasser oder Tee?» Süssgetränke sind damit automatisch aus dem Rennen. Nicht zu viele Entscheidungsmöglichkeiten geben, das würde das Kind überfordern. Am besten zwei Wahlmöglichkeiten anbieten, nicht mehr. Entweder oder ist keine Wahlmöglichkeit, sondern eine Drohung. Diese gilt es zu vermeiden.


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