Notfälle in der Kleintierklinik

Teil 2: Die speziellen Symptome einzelner Organe.

Wahre Notfälle oder nur ungewöhnliche Anzeichen?

Im Teil 1 (vergangene Ausgabe dorfaktuell) haben wir gesehen, wie wichtig es ist, das allgemeine Befinden (Fressen, Trinken, Bewegungslust usw.) Ihrer Katze, Ihres Hundes richtig einzuschätzen. Die zunehmende Verschlechterung des Allgemeinbefindens ist immer ein Grund, Ihren Tierarzt zu kontaktieren.
Im zweiten Teil stellen wir Ihnen die aussergewöhnlichen Symptome verschiedener Organsysteme vor und erklären, warum sie auch ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens zu einem Tierarztbesuch führen sollten.
Anfälle: Langanhaltende und wiederkehrende Episoden von Bewusstseinsverlust sind immer ein Grund, sich mit dem Tierarzt in Verbindung zu setzen, auch wenn das Tier in der Zwischenzeit völlig normal ist.
Augen: Zugekniffene Augen mit oder ohne Rötung der Bindehäute, Trübung der Hornhaut sind immer ein Grund für einen Tierarztbesuch gleichentags. Dies ist wichtig, weil bei diesen Fällen meist das Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt ist.  Rötung der Augen oder Tränenfluss ohne Augenkneifen kann weiter beobachtet und mit den üblichen Hausmitteln behandelt werden.
Atmung: Laute Atemgeräusche wie beim Rückwärts­niessen weisen primär auf Probleme in den oberen Atemwegen hin. Dort wird der Luftfluss weniger schnell behindert als in den unteren Atemwegen. Deshalb haben die Hunde oft noch ein gutes Allgemeinbefinden. Es gilt dies jedoch im Auge zu behalten, besonders bei warmem Wetter und kurznasigen Rassen. Eine angestrengte Atmung, ausgelöst durch eine Erkrankung  der unteren Atemwege, führt immer zu einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens und damit zu einer Konsultation beim Tierarzt.
Haut / Wunden: Nässende, eiternde Wunden, die durch das Lecken und Kratzen des Tieres immer grösser werden, behindern das Allgemeinbefinden des Tieres kaum. Um deren Ausbreitung zu verhindern, sollen diese innert Tagesfrist dem Tierarzt vorgestellt werden. Klaffende Hautwunden hingegen sollten noch am gleichen Halbtag gezeigt werden. Derart erhalten Sie die Chance für eine gute Wundheilung nach einem chirurgischen Eingriff.
Harnwege / Fortpflanzungsorgane: Das Unvermögen Harn abzusetzen bei männlichen Tieren ist anfangs mit keiner Veränderung des Allgemeinbefindens verbunden, sollte aber innert Stunden dem Tierarzt vorgestellt werden. Hingegen Blut im Urin und häufiges Urinieren alleine drängen nicht zu einem sofortigen Notfallbesuch.
Lahmheit / Hinken: Tiere, die eine Gliedmasse verletzt haben, sind sonst oft im Verhalten ganz normal. Tiere mit offenen Verletzungen, starken Schwellungen und zunehmendem Unvermögen eine Gliedmasse zu belasten, sollten dennoch am gleichen Tag dem Tierarzt vorgestellt werden.
Magendarmtrakt: Bei Erbrechen von wenig Blut oder bei Durchfall mit wenig Blut, obwohl dramatisch aussehend, kann vorerst mit Fasten / Schonkost ein Behandlungsversuch vorgenommen werden. Bei Fortschreiten vermindert sich dann das Allgemeinbefinden und ein Tierarztbesuch ist unumgänglich.
Maulhöhle: Ein Hund unter zwei Jahren muss mit einem abgebrochenen Zahn, sofern dieser erhalten bleiben soll, noch am selben Halbtag dem Tierarzt vorgestellt werden.
    
Dies ist eine Zusammenstellung der häufigsten Symptome, die oft über- oder unterbewertet werden. Ihr Haustierarzt gibt Ihnen bei Unsicherheit gerne Auskunft.