Sturzprävention im Alter – was ist zu beachten?

Im Alter nimmt die Gefahr von Stürzen zu. Stürze und ihre Folgen stellen in der Altersmedizin ein grosses Problem dar – mit ernsten Konsequenzen für die Betroffenen. Warum treten Stürze im Alter derart häufig auf und wie kann man diese vorbeugen?

David Ebersbach ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und als Oberarzt Akutgeriatrie am GZF tätig.
David Ebersbach ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und als Oberarzt Akutgeriatrie am GZF tätig.

Das aufrechte Stehen und Gehen sind Fähigkeiten, die auf einem hochkomplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren beruhen. Diese Fähigkeiten müssen von klein auf erlernt, geübt und gefestigt werden. So ist es faszinierend, einem Kind bei seinen ersten Gehversuchen zuzusehen: wie es immer wieder hinfällt, aufsteht und wieder und wieder versucht zu gehen. Aber auch später verbessert der Mensch seinen Gleichgewichtssinn und die Geschicklichkeit beim Gehen, beim Rennen oder beim Springen weiter.
In der Medizin spricht man von der sogenannten posturalen Stabilität, also der Stabilität der aufrechten Körperhaltung. Ein Beispiel für eine extrem gut entwickelte posturale Stabilität ist die eines Tennisspielers, der sich aus vollem Lauf heraus noch streckt und den Ball zurückschlägt, ohne hinzufallen. Mit dem Alter nimmt die Standsicherheit ab; Krankheiten können dieses Phänomen zusätzlich verstärken oder beschleunigen. Die sogenannte posturale Instabilität bzw. die Sturzgefahr nimmt zu.
Trotz Alter und Krankheiten lässt sich aber mit gezielten physiotherapeutischen Übungen die posturale Stabilität verbessern. In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass sich das Sturzrisiko bei betagten Menschen auch durch Tanz oder Tai Chi merklich verringern lässt. Zusätzlich wird in der Altersmedizin auch auf äussere Sturzfaktoren geachtet, wie z. B. Teppiche, Schwellen und fehlende Handläufe an den Treppen. Wenn ein älterer Mensch , der über eine gute posturale Stabilität verfügt, doch einmal stolpert, dann kann er tendenziell eher noch rasch einen Fuss nach vorne setzen (Ausfallschritt), eine Ausgleichbewegung mit den Armen machen und so den Sturz allenfalls verhindern.
Wichtig sind eine gute Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten, eine fachkundige Abklärung bei vermehrten Stürzen sowie individuelle, auf die eigenen Fähigkeiten und Lebenssituation abgestimmte Massnahmen zur Sturzprävention.

 

David Ebersbach ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und als Oberarzt Akutgeriatrie am GZF tätig. «Gsundheit!» ist ein Gesundheitsratgeber in Kooperation mit dem GZF.