Vermehrt Urnenplattengräber im «Gottsacker»

In der Gemeinde Eiken gibt es eine Reihe von Bestattungsarten, aus denen die Angehörigen wählen können, um ihre verstorbenen Familienmitglieder würdig zur letzten Ruhe zu betten.

Bei der Erdbestattung wird die verstorbene Person inklusive Sarg auf dem Friedhof beigesetzt.
Bei der Erdbestattung wird die verstorbene Person inklusive Sarg auf dem Friedhof beigesetzt.

Heute steht zuoberst auf der Skala der Beliebtheit das Urnenplattengrab, das der Erdbestattung längst «den Rang abgelaufen» hat, wie der zuständige Friedhofbetreuer und Leiter Werkhof Valentin Rohrer bei einem Friedhofbesuch sagte. Bei jeder Beerdigung ist ein Werkhofmitarbeiter anwesend. Valentin Rohrer hört im Zusammenhang mit dem Friedhof, der nicht wie früher bei der Kirche, sondern an der Rüttistrasse angelegt ist, vor allem von älteren Einwohnern noch oft den Begriff «Gottsacker».
Erdbestattung: mindestens 20 Jahre
Die ursprüngliche Erdbestattung ist immer noch möglich und für manche Gläubige die einzige gewünschte Bestattungsart. Der Leichnam wird vom Bestatter im Sarg in die Friedhofshalle gebracht und dort im Katafalk aufgebahrt. Die verstorbene Person wird mitsamt dem Sarg auf dem Friedhof beigesetzt. Der Grabstein wird von Angehörigen ausgesucht und in Auftrag gegeben. Die Pflanzfläche beträgt 100 x 75 cm; sie darf nicht eingefasst werden. Die Grabesruhe beträgt nach kantonaler Vorgabe mindestens 20 Jahre, bevor abgeräumt werden darf. Mindestens so lange können die Hinterbliebenen die Pflanzfläche individuell bepflanzen. Das ist mit einem ansehnlichen Aufwand verbunden, und manche vertrauen diese wiederkehrenden Arbeiten einem Gärtner an. Die Erdbestattungsgräber dominieren das Eiker Friedhofsbild immer noch, obschon in den vergangenen 13 Jahren erst etwa 20 Gräber dazugekommen sind. Es sind derzeit über sechs Dutzend solche Gräber anzutreffen, die ältesten sind von 1996. Nicht mehr vorgesehen sind Familiengräber, von denen auf dem Eiker Friedhof drei anzutreffen sind.
Alle übrigen Bestattungsarten beruhen auf der Einäscherung der sterblichen Überreste und der Aufbewahrung der Asche in einer Urne. Diese wird vom Bestatter im Krematorium abgeholt und in die Kirche oder Friedhofshalle gebracht.

Beliebt: Urnenplattengrab
Die Wahl fällt in der heutigen Zeit zunehmend auf die Bestattung im Urnenplattengrab von rund 50 cm Seitenlänge. In Eiken sind es bereits etwa 15 Gräber. Es bietet Platz für eine Urne oder für zwei Urnen. Die Grababdeckplatte wird durch eine von den Angehörigen ausgewählte individuelle Grabplatte ersetzt. Es gibt eine vom Werkhof betreute Rahmenbepflanzung. Für den individuellen Grabschmuck gibt es aber keine Erde. Möglich sind bloss Topfpflanzen oder Blumen in Vasen, die ausschliesslich auf der verbreiterten Fläche des Urnenelementes gegen den Gehweg hin abgestellt werden dürfen. Die Beliebtheit dieser Bestattungsart dürfte daher rühren, dass keine Anpflanzungen in der Erde möglich bzw. nötig sind; verwelkte Blumen und Topfpflanzen können leicht entfernt oder ausgetauscht werden. Der Pflegeaufwand ist minimal.

Aufwändig: Urnenreihengrab
Fast so pflegeaufwändig wie das Erdbestattungsgrab ist das Urnenreihengrab. Dieses bietet Platz für eine Urne bis zu drei Urnen. Auch hier geben die Angehörigen einen Grabstein in Auftrag. Weil die Pflanzfläche in der Erde gleich gross ist, wie bei den Erdbestattungsgräbern, müssen sich die Angehörigen des Pflanz- und Pflegeaufwandes für mindestens 20 Jahre bewusst sein. Die Bestattungsart wird seit der Einführung der Plattengräber selten mehr gewählt, obwohl sich hier bis drei Urnen bestatten lassen.

Urnenwand
Aufgenommen hat Eiken auch die Bestattung in der Vertikalen – in einer Urnenwand. Die Urnen werden in die vorgegebenen Nischen der Wand gestellt. Die Frontplatten werden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt und beschriftet. Aus gestalterischen Überlegungen heraus dürfen keine anderen Platten verwendet werden. Je nach Wahl bieten die Nischen Platz für eine Urne bis zu vier Urnen. Grabschmuck kann – wenn überhaupt – vor den Nischen auf den Boden gestellt werden.

Urnenbeisetzung in bestehendes Grab
Möglich ist auch die Bestattung einer Urne in ein bestehendes Grab. Hier ist jedoch zu beachten, dass die Benützungsdauer der Gräber durch diese nachträgliche Urnenbeisetzung keine Verlängerung erfährt.

Gedenkstätte frühverlorener Kinder
Diese Gedenkstätte, eine Stele mit Inschrift, ist insbesondere für Kinder gedacht, die als Frühgeburten vor dem sechsten Schwangerschaftsmonat verstorben sind. Sie steht als Zeichen für die Liebe und Verbundenheit von Eltern zu ihren frühverlorenen Kindern. Auf Wunsch der Eltern wird der Name des verstorbenen Kindes auf einem Stern eingraviert, der an der Wand hinter der Stele montiert wird.

Gemeinschaftsgrab
Schliesslich gibt es noch das Gemeinschaftsgrab unmittelbar bei den 3 Stelen namens «Gemeinschaft». Die Urne wird in der Rasenfläche nach einem Plan von Valentin Rohrer bestattet. Das Aufstellen von Grabschmuck ist an dafür gekennzeichneten Platz ab dem Tag der Urnenbeisetzung während längstens vier Wochen gestattet. Der Name kann nach Wunsch in den Stelen eingraviert werden. Nach Ablauf der vier Wochen darf weder bei der Skulptur «Gemeinschaft» noch beim Urnengrab Grabschmuck aufgestellt werden, weist der Werkhof hin.
Welche Bestattungsart auch gewählt wird, ob Krematorium, Erdbestattung, Trauerfeier oder nicht: Wichtig ist sich zu Lebzeiten darüber Gedanken zu machen, wie man sich seine eigene Beerdigung vorstellt und diese Vorstellungen mit seinen Angehörigen bespricht und möglichst schriftlich festhält.

Dominik Senn