Erbengemeinschaft – ein unmögliches Gebilde

Stirbt eine Person, bilden deren Erben automatisch eine Erbengemeinschaft. Man kann sich die Erben nicht aussuchen. Man kann sich einen Zug vorstellen, in dem die Passagiere sitzen. Erst am nächsten Bahnhof können sie aussteigen und wieder den eigenen Weg gehen. Der Bahnhof ist die Erbteilung, weil dann jeder Erbe seinen Anteil erhält.

Die Erbengemeinschaft ist ein schwerfälliges Gebilde, weil das Einstimmigkeitsprinzip gilt. Verweigert nur ein Erbe – und sei sein Anteil noch so klein – seine Zustimmung, bleibt die Teilung blockiert. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, eine Erbengemeinschaft aufzulösen:

Teilungsvertrag oder gerichtliches Urteil.
Erbteilungsprozesse sind mühsam, zeitraubend und teuer. Daher wird in den meisten Fällen der Kompromiss gesucht, frei nach dem Motto:
«Lieber ein magerer Vergleich als ein fetter Prozess.»
Eine Ausnahme vom Einstimmigkeitsprinzip besteht einzig bei Fällen ausserordentlicher Dringlichkeit. Hat der Sturm das Dach abgedeckt, kann jeder Erbe die notwendigen Sofortmassnahmen treffen und beispielsweise an Handwerker Aufträge erteilen.
Damit eine Erbteilung nicht blockiert werden kann, können zu Lebzeiten gewisse Vorkehrungen getroffen werden. Die beiden wichtigsten Instrumente seien nachfolgend erwähnt:

1. Entzug der Erbenstellung
Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Erbenstellung, d.h. Mitglied der Erbengemeinschaft zu werden, sondern einzig auf Geld in der Höhe des Pflichtteils. Wenn ein Nachkomme schon zu Lebzeiten den Eltern mit Problemen bei der späteren Teilung droht oder wenn Geschwister schon zu Lebzeiten der Eltern verstritten sind, stehen die Warnlampen auf rot. Soll beispielsweise eine Liegenschaft nach dem Tode der Eltern verkauft oder ein Bankkonto aufgelöst werden, braucht es die Zustimmung des «schwierigen» Erben nicht, wenn er keine Erbenstellung hat.

2. Vermächtnis
Der ganze Nachlass kann weitgehend über Vermächtnisse abgewickelt werden. Beispielsweise: Ich vermache dem Sohn Hans die Liegenschaft x und der Tochter Anna die Liegenschaft y. In diesem Falle braucht es keine Zustimmung der übrigen Miterben, weil die Liegenschaften durch den Willensvollstrecker in eigener Kompetenz auf die berechtigten Erben übertragen werden können.

Zusammenfassend:
Wenn sich schon zu Lebzeiten Schwierigkeiten abzeichnen, lohnt es sich auf jeden Fall, mit geeigneten Massnahmen einem späteren Erbstreit vorzubeugen.

Weitere Informationen unter www.studer-law.com.